5 Tipps für den Umgang mit Unsicherheit und Ängsten bei deinen Mitarbeitern in Krisenzeiten. 

In der aktuellen Situation sind wir als Führungskräfte besonders gefordert, wenn wir mit den Ängsten und Unsicheren unserer Mitarbeiter konfrontiert werden.

Die von den Regierungen angeordneten Maßnahmen für einen langsameren Anstieg an Sars-CoV-2-Infizierten zeigen in Wirtschaft und Gesellschaft die ersten Auswirkungen: Die Kinderbetreuung fällt weg, Veranstaltungen werden abgesagt, viele Menschen arbeiten im Home Office, Ausgangsbeschränkungen usw. 

Die Rede ist von Kurzarbeit und es gibt bereits erste Entlassungen. Umso mehr sind jetzt die Augen der Mitarbeiter auf ihre Führungskräfte gerichtet.

Solche Situationen sind zum Glück eher Ausnahme als Regel. Das bedeutet allerdings auch, dass wir als Führungskräfte auf turbulente Zeiten meist nicht vorbereitet werden (können). Aus diesem Grund habe ich beschlossen, mit diesem Artikel eine kleine Hilfestellung anzubieten.

In meiner Ausbildung zum Coach für Stressbewältigung und Gesundheitsförderung haben wir sehr intensiv das Thema Ängste und Stress behandelt. Aus diesem Grund gibt es bei mir kein “Tschaka, wir schaffen das”, sondern Tipps, die auf den neusten neurologischen Erkenntnissen beruhen.

Und damit diese nicht wirkungslos verpuffen, will ich dir zunächst einen Einblick in die dahinter liegende Biologie und Psychologie geben. Wir machen also zunächst einen kleinen Exkurs, wie Angst entsteht und was sie genau bewirkt, bevor wir zu den Lösungen kommen.

Was sind Ängste und wie entstehen sie?

Vor meiner Ausbildung zum Coach hatte ich nicht die leiseste Ahnung, was Angst überhaupt ist und wie sie entsteht. Und ehrlich gesagt habe ich mir darüber auch keine Gedanken gemacht. Wenn es dir ähnlich geht, dann werden dir die folgenden Absätze einen guten Einstieg in das Thema geben.

Angst entsteht, wenn etwas passiert, das mit unseren Erwartungen nicht übereinstimmt und wir selbst keine Möglichkeiten haben, Einfluss zu nehmen.

Unser Frontalhirn (Hirnbereich hinter der der Stirn) ist ständig damit beschäftigt, äußeren Reize aufzunehmen und sie mit unserem bisher erworbenen Wissen und unseren Erfahrungen abzugleichen. 

Kommt es bei diesem Abgleich zu dem Ergebnis, dass uns etwas bedroht und wir mit unseren bisherigen Bewältigungsstrategien scheitern, dann hat das große Auswirkungen in unserem Gehirn. 

Es kommt dabei zu einer Unruhe in unserem Gehirn, die sich in andere Hirnregionen fortsetzt, je länger dieser Zustand andauert. Diese Übererregung breitet sich also ausgehend vom Frontalhirn im gesamten Gehirn aus. Gleichzeitig werden Stresshormone ausgeschüttet, die Energien für die Problemlösung mobilisieren.

Was sind die Folgen von Angst und der damit verbundenen Übererregung im Gehirn?

Diese durch die Angst ausgelöste Erregung, die im Frontalhirn entsteht, setzt eine Angst-Kaskade in Gang. Das führt zunächst dazu, dass wir unser Frontalhirn, in dem die komplexesten Netzwerke  unseres Gehirns zusammenlaufen, nicht mehr benutzen können. Die Folgen davon:

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Man kann nicht mehr klar denken.

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Man kann sich nicht mehr in andere Menschen hineinversetzen.

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Man kann keine Handlungen mehr planen und die Folgen der eigenen Handlung abschätzen.

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Man hat keine Impulskontrolle mehr und die Frustrationstoleranz sinkt.

Das bedeutet, dass das Fühlen und die Reaktionen des Körpers ab diesem Zeitpunkt von dem tieferliegenden, in früherer Kindheit herausgeformten und stabileren neuronalen Netzwerk bestimmt wird. Unter diesem stabileren neuronalen Netzwerk versteht man Verknüpfungen im Gehirn, die in unserer Kindheit angelegt wurden und unsere damaligen Erfolgsstrategien widerspiegeln.

Durch das Aktivieren dieser frühkindlichen Verhaltensmuster können wir bei uns und anderen Verhaltensmuster wie Schreien, Türen schlagen, Spielsachen/ Süßigkeiten(Klopapier) horten etc. beobachten. 

Es können aber auch andere Strategien sein wie Aufräumen oder Bleistifte spitzen oder operative Hektik. Also Reaktionen, die für jemandem mit “funktionierendem” Frontalhirn, völlig irrational erscheinen.

Wenn das auch nichts nützt und der Angstzustand weiterhin anhält, starten die archaischen Notfallprogramme im Hirnstamm. Zunächst versuchen wir den “Angriff”. Das lässt sich im Moment gut in den sozialen Netzwerken beobachten; diese sind voll von Beschimpfungen und Angriffen.

Führt Angriff nicht dazu, dass die Angst weniger wird, versuchen wir “Flucht”. Wir ziehen uns zurück, schotten uns ab.

Die dritte und letzte, und auch ein wenig gefährliche Notfallreaktion ist die ohnmächtige Erstarrung. Dann kann man gar nichts mehr tun.

Erschwerend kommt hinzu, dass egal auf welcher Stufe der Angst-Kaskade wir uns befinden: Ängstliche Menschen können weniger gut zwischen „neutralen“ und „bedrohlichen“ Reizen unterscheiden. (Dies fand das Weizmann Instituts für Wissenschaften in Israel in einem Experiment heraus).

Wie gehen wir Menschen üblicherweise mit Angst um?

Die Verhaltenssteuerung durch das archaische Notfallprogramm ist kein angenehmer Zustand, das ist unbestritten. Und die üblichen Muster, um damit umzugehen, habe ich im Folgenden zusammengefasst.

Muster 1

Wir versuchen die Verhältnisse, die Angst auslösen, zu verändern, indem wir versuchen die Welt und andere Menschen an uns anzupassen. Wir stellen uns Fragen wie: Wer hat die Probleme von außen verursacht? Wer ist schuld? Wie kann ich verhindern, dass das erneut geschieht?

Muster 2

Wir verändern uns selbst und beginnen unsere eigenen Bedürfnisse an die vorherrschenden Verhältnisse anzupassen. Wir denken uns, es ist ja alles gar nicht so schlimm. Es könnte ja noch viel schlimmer sein. Und wir kommen vielleicht sogar zu dem Ergebnis, dass es uns ohnehin viel zu gut geht und wir das gar nicht verdient haben.

Muster 3

Wir lösen die Probleme gar nicht, sondern lenken uns ab: durch Shopping oder anderen Konsum. Das führt allerdings nicht dazu, dass das Problem gelöst wird, aber es kommt auf diese Weise erst einmal Ruhe in das Gehirn und das ist es, worum es eigentlich geht…

Welche Möglichkeiten gibt es noch, um mit Ängsten umzugehen?

Sie [die Angst] ist weder zu meiden noch zu vermeiden, sondern sie ist zu meistern, wenn sie einmal im Leben auftritt. Sie kommt nie ohne Grund. – Christa Schyboll

Neben den oben aufgezählten Möglichkeiten gibt es noch eine weitere, die allerdings nur wenigen Menschen gelingt. Bei dieser Möglichkeit geht es nicht um ein Überwinden der Angst im klassischen Sinne, sondern um eine neue Bewertung von sich und der Situation. Auf diesem Prinzip basieren auch meine Tipps, die ich im Folgenden für dich aufgeschrieben habe.

Kommen wir nun zu den konkreten Tipps im Umgang mit Angst.

Du wirst deinen Mitarbeitern keine Stütze sein, wenn du selbst mit Unsicherheiten und Ängsten kämpfst. Als Führungskraft bis du Vorbild und Beispiel für deine Mitarbeiter. Bevor du also mit deinen Mitarbeitern in den Dialog zu diesem Thema gehst, empfehle ich dir, die Tipps zunächst bei dir und für dich anzuwenden und auszuprobieren. Gerne unterstütze ich dich dabei, wenn du das Gefühl hast, du bist dem Ganzen nicht gewachsen. Du kannst ganz unkompliziert einen Termin zu einem persönlichen und kostenfreien Gespräch bei mir buchen.

Tipp 1: Abstand herstellen und Gedanken-Karussell stoppen

Ganz egal auf welcher Stufe der Angst-Kaskade wir uns befinden, es ist wichtig, aus dem Gedanken-Karussell auszusteigen.

Dazu gibt es verschiedene Ansätze. Ich persönlich empfinde Bewegung als die wirkungsvollste Methode. Mittlerweile ist es auch wissenschaftlich belegt, dass Bewegung dabei hilft, Stresshormone abzubauen.

Bewegung ist immer möglich, selbst wenn wir unsere Häuser und Wohnungen möglichst nicht verlassen sollen.

Schnappe dir deine Lieblingsmusik, auf dem iPod oder auf der Stereoanlage, dreh sie auf und tanze dazu. Wie früher in der Disco;-)

Schließ dich in ein Zimmer ein, wenn es dir unangenehm ist, dass es dein Partner oder deine Familie mitbekommt. Oder noch besser: beziehe sie mit ein. Ich tanze zum Beispiel mit meinem Sohn, er liebt das.

Tipp 2 : Angst als wichtiges Gefühl anerkennen

Erleben oder spüren wir Ängste bei anderen, fühlen wir uns schnell überfordert. Aus der eigenen Hilflosigkeit heraus sagen wir dann gerne: “Ist doch nicht so schlimm” oder “das wird schon wieder”. Wir vergessen dabei völlig, dass wir bei Angst keine rational denkenden Menschen vor uns haben. Angst ist ein rein emotionaler Zustand. Sachliche Argumente oder gar Bewertungen (“ist ja nicht so schlimm”) sind fehl am Platz bzw. damit erreiche ich mein Gegenüber überhaupt nicht. 

Viel wichtiger ist es, auf seine Bedürfnisse einzugehen, Verständnis zeigen, Geborgenheit und Sicherheit geben.

Das kannst du sagen und finde gerne deine eigenen Worte:

  • Ich sehe und spüre, dass du unsicher und ängstlich bist. Das ist okay. Du bist okay.
  • Danke, dass du deine Angst und Unsicherheit ausdrückst.
  • Du bist auch mit deiner Unsicherheit und Angst willkommen.

Geborgenheit und Sicherheit vermittelst du am besten durch Struktur und Rituale, die Verbundenheit und Zugehörigkeit vermitteln. Regelmäßige Meetings, auch online, z. B. gemeinsam einen virtuellen Kaffee trinken. Jeden Tag um die gleiche Zeit oder Ähnliches.

Tipp3: Sich den Ängsten stellen

Die wenigsten von uns haben je einen anderen Weg im Umgang mit der Angst kennengelernt, als den der Vermeidung. Wir haben daher auch nicht gelernt, uns unsere Ängste genauer anzusehen. Sie kennenzulernen und zu erkunden.

„Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr.“ – Marie Curie

Diese Fragen kannst du dir und deinen Mitarbeitern stellen, um den Ängsten Raum zu geben, ohne in Panik oder in eine Negativspirale zu geraten:

  • Was genau ist es, das mich ängstigt?
  • Was ist der Grund für diese Angst?
  • Welche konkreten Auswirkungen hat die beängstigende Situation auf mein Leben?
  •  Wie könnte ich noch auf die Auswirkungen reagieren?

Tipp 4: Entdeckerlust und Glauben in die eigenen Fähigkeiten wecken

Wenn es uns gelingt, aus der negativen Bewertung der Situation in die Entdeckerlust zu kommen. Und wenn es und gelingt, den Glauben an sich und die eigenen Fähigkeiten zu wecken, können unglaubliche Kräfte freigesetzt werden. Es ist bereits alles in uns angelegt, das wir brauchen, um eine Lösung zu finden. 

Diese Fragen können dich und deinen Mitarbeiter dabei unterstützen: 

  • Wie muss ich mich weiterentwickeln/ was muss ich lernen, um damit besser umzugehen?  
  • Was ist das Gute an dieser Situation?
  • Was kann ich besonders gut, das ich einbringen kann?
  • Worauf kommt es mir im Leben wirklich an?

Tipp 5: Zukunft gestalten und ins Handeln kommen

Angst schafft die Voraussetzung für die aktive Lebensgestaltung auf geistiger, emotionaler und körperlicher Ebene. Eine aktive Lebensgestaltung gelingt mir nur, wenn ich Klarheit habe, was ich möchte und wo die Reise hingehen soll. In Bezug auf deine Rolle als Führungskraft gilt es jetzt den Kurs festzulegen und an deiner Vision festzuhalten. Und dafür zu sorgen, dass alle wissen, was zu tun ist:

  • Was sind die absolut wichtigsten Ziele, an denen wir arbeiten müssen?
  • Wie können wir sie erreichen?
  • Wie können wir sie messen?
  • Wie sieht der konkrete erste Schritt aus?

Fazit und Zusammenfassung

Du kannst deinen Mitarbeitern ihre Unsicherheiten und Ängste nicht nehmen. Du kannst ihnen nur dabei helfen, ihre Unsicherheiten und Ängste besser zu verstehen und sie ermuntern nach den Chancen in ihren Ängsten zu suchen. Das klingt für dich vielleicht ein wenig ungewöhnlich und das ist es auch, weil wir es nie anders gelernt haben.

Am Ende des Tages geht es beim Umgang mit Unsicherheiten und Ängsten um eine Entscheidung, die du als Führungskraft treffen musst: Bleibst du auf den eingetreten Pfaden der alten Bewältigungsstrategien oder beschreitest du neue Wege. In deiner Position und Rolle bist du Vorbild und dein Beispiel hat Ausstrahlkraft auf deine Mitarbeiter. Für welchen Weg entscheidest du dich?

Gerne unterstütze ich dich auf deinem Weg. Buche dir ein kostenloses und unverbindliches Gespräch mit mir.

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Alexandra Menchero

Alexandra Menchero

Coach und Mentorin für weibliche Führungskräfte

Hey, ich bin Alexandra und ich helfe dir dabei, in deiner Führungsrolle noch erfolgreicher zu sein, Krisen zu meistern und gestärkt aus ihnen hervorzugehen.